Zuversicht und Motivation

vor dem Wahljahr 2017

Interview mit Oberbürgermeister-Kandidat Marc Weigel

Zwei junge Freie Wähler haben mit dem OB-Kandidaten Marc Weigel über seine aktuelle Stimmung, seine Motivation und seine Ziele gesprochen. Frederick Strobel (18) legt zur Zeit am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium sein Abitur ab. Danach plant er Wirtschaftswissenschaften und Politik zu studieren. Neben seinem Engagement bei den Freien Wählern, spielt er in der Big Band des KRG und außerdem Fußball beim TSV Königsbach. Meher Mia (22) ist in Dhaka/Bangladesch geboren und kam im Alter von 6 Jahren nach Deutschland. Seit ihrem Abitur 2014 am Käthe-Kollwitz-Gymnasium studiert sie integrative Sozialwissenschaften an der TU Kaiserslautern.

Ihre besonderen Leistungen wurden mit einem Deutschland-Stipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung belohnt. Bei der Direktwahl wurde Meher 2015 in den Neustadter Beirat für Migration und Integration gewählt. Seit 2010 engagiert sie sich bei den Freien Wählern.

 

Meher:

Die RHEINPFALZ hat vor kurzem eine Umfrage zur OB-Wahl veröffentlicht. Du liegst mit 45% klar vor deinen Mitbewerbern. Damit bist du der Favorit. Wie fühlt sich das an?

 

M. Weigel:

Ich habe mich über den Zuspruch und den Vertrauensvorschuss natürlich sehr gefreut. Ich muss aber noch ordentlich Gas geben. Letztlich zählen nicht die Umfragen und Momentaufnahmen. Entscheidend ist, was nach der Wahl im September herauskommt. Da ich viele Ideen und Themen habe, die ich ansprechen möchte, bin ich aber sehr zuversichtlich, dass ich den Schwung mit­nehmen und am Ende auch gewinnen kann.

 

Frederick:

Ich bin zwar nicht am Leibniz, aber von deinen Schülern weiß ich, dass du als Lehrer sehr angesehen bist. Die letzten Abiturienten haben dich zum engagiertesten und zu ihrem prägendsten Lehrer gewählt. Du leitest den Debattierklub, bringst Schüler und Ehemalige zusammen, or­ganisierst Exkursionen, den städtischen Schüleraustausch mit unserer Partnerstadt in China. Du hast einen Integrationspreis bekommen, warst mit deinen Schülern kürzlich Landessieger im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Du bist mit so viel Erfolg, Spaß und Freude dabei, warum willst du den Job trotzdem aufgeben?

 

M.Weigel:

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“

 

Frederick:

Jaja, ich weiß schon, Goethes Faust und so weiter. Da kommt der Deutschlehrer durch...

 

M.Weigel:

Schau, ich bin jetzt 38 und zähle mich damit mal noch zur jungen Generation, auch wenn du mich dabei so erstaunt anschaust. Politisch bin ich seit meinem 16. Lebensjahr engagiert. Ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und auch gesehen und gelernt, was wir in Politik und Verwaltung ändern müssen. Ich bin voller Motivation, selbst zu gestalten und Verantwortung für Neustadt zu übernehmen. Ich bin davon überzeugt, dass ich meiner Stadt helfen kann, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Deshalb will ich OB werden. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch leidenschaftlich gerne Lehrer bin und bleiben würde. Aber beides geht nun mal nicht, dazu sind die Aufgaben in der Stadt auch zu zahlreich  und zu schwierig. Die Entscheidung über meinen weiteren beruflichen Weg werden mir die Wähler abnehmen.

 

Frederick:

Könntest du denn später wieder zurück? Du bist doch Beamter.

 

M. Weigel:

Nein. Das Land beurlaubt mich nicht so lange. Ich muss meine Planstelle und die Lebenszeitverbeamtung aufgeben.

 

Meher:

Warum gehst du so ein Risiko ein?

 

M. Weigel:

Der Beamtenstatus war für mich nicht der Grund, Lehrer zu werden. Außerdem bin ich nicht so ängstlich. Ich kann mir vieles vorstellen, auch wenn ich kein OB mehr wäre, fände ich schon eine sinnvolle Beschäftigung. Man kann auch nicht alles im Leben vorplanen.

 

Meher:

Du musst dich in den acht Jahren Amtszeit also schon anstrengen, wenn du wiedergewählt werden willst. Sprungbretter in die große Politik haben die Freien Wähler ja nicht zu bieten.

 

M.Weigel:

Ja, das stimmt. Insofern wäre es schon gut, wenn die Bürger nach acht Jahren auch sagen würden: „Der hat das gut gemacht, der soll weitermachen.“ Aber ich mache grundsätzlich nicht den zweiten Schritt vor dem ersten.

 

Meher:

Wir haben uns kennengelernt, als du noch Kulturdezernent der Stadt warst. Warum bist du das eigentlich nicht mehr?

 

M. Weigel:

Nach der Kommunalwahl hat mir unser damaliger Koalitionspartner ein, nennen wir es mal „Angebot“ gemacht. Man wollte mich damals nur als Kulturdezernent wiederwählen, wenn ich auf eine OB-Kandidatur verzichtet hätte und auch das, was mich an der politischen Arbeit störte, weiter stillschweigend mitgetragen hätte. Das wollte ich nicht. Im Stadtrat bildete sich daraufhin eine neue Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Kulturdezernent wurde Bürgermeister Röthlingshöfer.

 

Frederick:

Warum bist du nicht auf den Deal eingegangen?

 

M. Weigel:

Ich lasse mich erstens nicht gerne unter Druck setzen und zweitens wollte ich auch niemandem ewig dankbar dafür sein müssen, einen Posten zu haben. Ich begeistere mich für die Kommunalpolitik, aber ich habe immer darauf geachtet, nicht abhängig davon zu werden. Möglich wurde das, weil die Freien Wähler hinter mir standen, vor allem Georg Krist, der den höchsten Preis dafür zahlt und nun nach Ende seiner zweiten Amtszeit nicht mehr als Beigeordneter wiedergewählt wird, weil wir die Koalition mit der CDU beendet haben.

 

Frederick:

Herr Röthlingshöfer und du werden deshalb wohl keine Freunde mehr?

 

M. Weigel:

Ich will das nicht überdramatisieren. Seine Art zu verhandeln ist in der Politik normal und wie es gelaufen ist, gehört sozusagen zu den Spielregeln. Ich entscheide aber trotzdem gerne selbst über mich. Nun ist das geklärt. Eine Urwahl ist eine offene und ehrliche Angelegenheit. Die Bürger entscheiden, wer die Stadt in die Zukunft führen soll. Im Übrigen habe ich Herrn Röthlingshöfer persönlich immer respektiert und wir gehen anständig miteinander um.

 

Frederick:

Das überrascht mich jetzt.

 

M. Weigel:

Ich traue ihm das Amt zu. Er kann das. Trotzdem denke ich, dass ich der Stadt mehr helfen kann. Aber auch wenn er nicht gewinnt, bleibt er der vom Stadtrat gewählte erste Stellvertreter des OB bis 2021 und damit in Verantwortung. Sehen wir es mal so: Die Stadt kann mich dazugewinnen und er wird auf jeden Fall in verantwortlicher Position bleiben.

 

Meher:

Und Herr Bender?

 

Weigel:

Es ist klar, dass eine stolze Partei wie die SPD einen eigenen Bewerber aufstellt. Und auch ihn nehme ich als Gegenkandidaten ernst. Uns verbindet, dass wir für einen Wechsel stehen. Nach der Wahl müssen sowieso wieder alle gemeinsam für unsere Stadt arbeiten. Daher wird es hier keine Schlammschlacht wie in den USA geben, sondern einen fairen Wettbewerb, nachdem sich alle noch in die Augen schauen können.

 

Meher:

Und was für ein OB willst du sein?

 

M. Weigel:

Ich will zuhören, offen sein für alle Kritik, aber auch für Ideen und Impulse. Analysieren, vernünftig und klar denken, dann entscheiden und umsetzen. Ich will mit allen politischen Parteien im Stadtrat zusammenarbeiten, transparent informieren und auch die Bürger in die Entscheidungen einbeziehen, ohne den Mut zum eigenverantwortlichen Handeln zu verlieren. Ich sage ehrlich, wenn mal etwas nicht geht und begründe das auch. Neustadt hat so viel Potenzial! Wenn wir alle zusammen dafür arbeiten, können wir noch viel besser werden. Als Freier Wähler, die wir aus einem über 100 Jahre alten Bürgerverein in Neustadt hervorgehen, stehe ich voll hinter dem Grundsatz der kommunalen Selbstverwaltung und einer lebensfähigen Stadt, die sich um die Daseinsvorsorge und die Steigerung der Lebensqualität ihrer Bürger aktiv kümmert.

 

Frederick:

Viele junge Leute setzen Ihre Hoffnung in dich, was auch die RHEINPFALZ-Umfrage zeigte. Wie willst du dem gerecht werden?

 

M. Weigel:

Oft wird nur über das Freizeitangebot in Neustadt gesprochen. Um Neustadt auch für junge Menschen attraktiver zu machen, muss aber mehr geschehen. Ich denke hier an genügend bezahlbaren Wohnraum, gut ausgestattete Schulen, in denen man sich gerne aufhält und in denen nicht der Putz von den Wänden kommt und die Toiletten stinken. Vielleicht gibt es auch die ein oder andere Bildungseinrichtung zusätzlich, die man hier nach Neustadt locken könnte. Das Thema Freizeitangebote wird sich in den kommenden Monaten zwar durch zwei große neue Einrichtungen entspannen, aber auch da werde ich dranbleiben.

Meher:

Wann sagst du was über Details in deinem Programm?

 

M. Weigel:

Im kommenden Jahr werde ich nach und nach meine Ziele zur Spra­che bringen und diskutieren. Einen Einblick gebe ich bei unserem Neujahrsempfang im Herrenhof. Da ist jeder herzlich eingeladen und jeder kann hinkommen.

 

Meher:

Wir kommen.

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